Podcast Ausgeschwiegen Folge 4: Jetzt wird’s eklig und das ist hilfreich

Podcast Ausgeschwiegen Folge 4: Jetzt wird’s eklig und das ist hilfreich

Gepostet von am Okt 18, 2018 in Blog

Hier die dritte Podcast-Folge

Und hier der Text der dritten Folge:

Hallo und herzlich willkommen zur Folge vier des Podcasts „Ausgeschwiegen – Wir brechen Dein Schweigen“. Heute wollen wir das Thema der limitierenden Glaubenssätze aus der Folge der letzten Woche aufgreifen. 

Wenn diese limitierenden Glaubenssätze einen hemmen und ausbremsen, dann wäre es doch schön, wenn man die loswerden könnte, damit man diesen Bremsklotz im Kopf ebenfalls los wird. Und in der Tat, das geht. Ich will Dir hier mehrere Schritte vorschlagen, mit denen Du einen limitierenden Glaubenssatz loslassen und loswerden kannst. Und das wird gleich auch etwas eklig, ja vielleicht ziemlich eklig. Aber dieser Ekel ist ein guter Trick … Du wirst schon sehen.

Schritt 1: Werde Dir des limitierenden Glaubenssatzes bewußt!

Wenn Dir beim Thema Reden vor Gruppen sofort ein Gedanke wie „Das lerne ich nie, dafür habe ich einfach kein Talent“ durch den Kopf schwirrt, dann bremst dich dieser Gedanke wie bisher im Kapitel geschrieben ja aus. Aber der Gedanke rennt Dir ja nicht durch Oberstübchen und erklärt dabei: „Hallo. Ich bin übrigens ein limitierender Glaubenssatz. Ich bin da, um dich auszubremsen. Ich will dich daran hindern, dich weiter zu entwickeln. Ich will dafür sorgen, dass Du das Reden vor Gruppen nicht lernst. Wenn es mich limitierender Glaubenssatz nicht gäbe, dann würdest Du das Reden vor Gruppen lernen, üben und so immer besser darin werden. Aber hey, das weiß ich zu verhindern.“ Limitierende Glaubenssätze schlummern im Unterbewusstsein, um im (un)passenden Moment an die Oberfläche zu kommen und Dir bei einer bestimmten Sachen kurz aber wirksam in die Suppe zu spucken und dann wieder aus der Wahrnehmung zu verschwinden. Dieses Bewusstsein, was der limitierende Glaubenssatz mit Dir anstellt, das fehlt Dir noch.

Und deshalb: Mach Dir bewusst, das Dir gerade ein limitierende Glaubenssatz durch den Kopf geht. Wenn Du beispielsweise gerade diesen Satz „Das lerne ich nie, dafür habe ich einfach kein Talent“ denkst, dann solltest Du sofort zwei Dinge tun:

1. Schreib Dir genau jetzt, wenn Du diesen Gedanken hast, eben diesen Gedanken auf einen Zettel. Schreib möglichst wortwörtlich auf den Zettel, was Du gerade gedacht hast, als es darum ging, vor einer Gruppe zu reden. 

2. Und jetzt lies Dir diesen Satz oder auch diese Sätze auf dem Zettel ganz in Ruhe durch und denke darüber nach. Frag dich, warum Du das gerade gedacht hast. Frag dich, was dieser Gedanke genau mit Dir anstellt. Frag dich, was Dein innerer Schweinehund mit diesem Gedanken als Futter so mit die macht. Frag dich, ob es vielleicht früher Erlebnisse und Erfahrungen in Deinem Leben gab, die dieses Gedanken ausgelöst haben und diesen als limitierenden Glaubenssatz dann in Dir verankert haben. 

Setze dich also ganz bewußt mit dem Gedanken, der als limitierender Glaubenssatz wirkt, auseinander. Und wie gesagt, schreib diesen Gedanken gut lesbar auf einen Zettel.

Schritt 2: Jetzt wird es eklig!

Ok, wie versprochen, jetzt wird es eklig, denn ich möchte Dir etwas erzählen. Stell Dir vor, Du bist jung und in der Pubertät. Du kämpfst mit all diesen Dingen, mit denen man in der Pubertät eben kämpft. Eines dieser Dinge ist Akne, die Dir immer wieder aufs Neue Pickel ins Gesicht bastelt. Du stehst also morgens vor dem Spiegel und siehst, dass sich da über Nacht auf Deiner Nase, oder Deiner Stirn oder Deinem Kinn wieder so eine neue rote glänzende Beule gebildet hat. Der Pickel juckt auch schon etwas und mitten drauf siehst Du schon dieses „weiße Krönchen“ des aus dem Inneren des Pickels durchschimmernden Eiters. Du ärgerst Dich, dass da schon wieder etwas ungesundes und unangenehmes in Deiner Haut passiert. Dass da wieder was ist, was nicht gut für Dich und vielleicht ungesund ist. Und etwas, dass mal wieder dafür sorgt, dass Du in der Schule gehänselt wirst.

Also nimmst Du mit zwei Fingern die Pustel in die Zange und drückst. Und es dauert nicht lange, da platzt der glänzende rote Pickel auf und der eitrige Schmodder läuft raus oder spitzt sogar mit Schmackes gegen den Spiegel im Badezimmer. Obwohl der Vorgang des Pickelausdrückens selbst total eklig ist, fühlst Du Dich irgendwie gut. Du fühlst Dich gut, denn Du hast das was schlechtes, ungesundes und negatives, das eben gerade noch unter Deiner Haut und damit in Deinem Körper steckte und dich zudem auch noch verunstaltet hat, entfernt. Du hast dieses unschöne etwas aus Deinem Körper hinaus geworfen. Zufrieden desinfizierst Du diese Stelle noch und der Tag kann beginnen.

Ekelst Du dich jetzt gerade, nachdem Du das gelesen hast? Hoffentlich und das hab ich ja vorher sozusagen versprochen, dass es eklig wird? Nimm jetzt dieses Ekelgefühl und klebe es wie ein Etikett an Deinen limitierenden Glaubenssatz dran. Schreib meinetwegen auf den Zettel, auf dem schon der Satz „Das lerne ich nie, dafür habe ich einfach kein Talent“ steht, drauf: Eklig, Pickel, Eiter, Akne, widerlich, hässlich, ungesund, schädlich ….

Ich will von Dir, dass Du diesen limitierenden Glaubenssatz mit diesem Gefühl des Ekels und der Abscheu und der Schädlichkeit ganz fest verbindest. Durch den Zettel machst Du das Ganze sichtbar.

Schritt 3: Den limitierenden Glaubenssatz loslassen

Ok weiter geht es. Ich will jetzt, dass Du diesen Zettel mit dem limitierenden Glaubenssatz darauf und auch mit dem daran gehefteten Gefühl des Ekels vernichtest. Aber halt! Nicht einfach wegwerfen und gut ists. Mach daraus eine richtige Zeremonie! Leg meinetwegen dramatische Musik auf. Denk Dir irgendeinen Spruch dazu aus. Meinetwegen: „Hiermit vernichte ich Dich negativen Gedanken und verbanne Dich ein für alle Mal aus meinem Leben!“ Und dann zünde den Zettel an und schaue genüßlich zu, wie er verbrennt. Und dann spüle die Asche des Zettels in der Toilette runter und schau zu, wie der graue Papierstaub im Klo ein paar Kreise dreht und dann verschwindet. Nochmal, mach daraus eine richtige Zeremonie, die Du in vollen Zügen erlebst und genießt. 

Warum all das Ganze? Warum dieses auf einen Zettel schreiben, dieses ekeln und diese „Vernichtungs-Zeremonie“. Die Erklärung ist recht simpel: Je emotionaler etwas für dich ist, um so besser kannst Du es in Dir und vor allem Deinem oben erwähnten Unterbewusstsein verankern. Du koppelst diesen limitierenden Glaubenssatz mit dem Ekelgefühl und mit dem Siegesgefühl, wenn Du ihn vernichtest. Vermutlich wird der Gedanke „Das lerne ich nie, dafür habe ich einfach kein Talent“ nicht sofort verschwinden. Dann wiederholst Du das ganze Zeremoniell einfach, wenn er Dir wieder durch den Kopf geht. Dadurch wird dieser Gedanke bei Dir immer bewußter als das gebrandmarkt, was er ist, ein limitierender Glaubenssatz. Und die Zeremonie hilft Dir, den Gedanken loszulassen und aus Deinem inneren zu löschen.

Schritt 4: Austausch durch einen positiven Glaubenssatz

Der letzte Schritt ist, dass Du den limitierenden Glaubenssatz ganz gewußt durch einen positiven Glaubenssatz ersetzt. Du füllt sozusagen die Lücke, die der zeremoniell entferne negative Gedanken „Das lerne ich nie, dafür habe ich einfach kein Talent“ hinterlassen hat, mit einem positiven Gedanken. Der könnte in Bezug auf das Reden vor Gruppen anfangs vielleicht lauten: „Ich kann noch nicht so gut vor Gruppen reden, aber ich werde es lernen und alles dafür tun!“

 Das wird vielleicht nicht beim aller ersten Mal sofort 100% klappen. Aber so, wie Du nötigenfalls die „Vernichtungs-Zeremonie“ für den limitierenden Glaubenbssatz wiederholst, so wiederholst Du auch bewußt diesen positiven Glaubenssatz. 

Dazu gibt es auch einen guten Trick: Schreib diesen positiven, diesen bestärkenden Glaubenssatz auch auf einen Zettel. Mal wunderschöne Blümchen dazu oder schreibe positive Gefühle und Werte darum herum. Und dann klebst Du den Zettel irgendwo hin, wo Du ihn oft siehst und lesen kannst. Ins Bad neben den Spiegel, in der Küche an die Kühlschranktür, Dir fällt sicher noch mehr ein. Du kannst auch mehrere Zettel machen und an verschiedene Stellen kleben. 

Das nennt man übrigens eine Affirmation! Laut Wikipedia ist eine Affirmation: _„Die Affirmation (lateinisch affirmatiō für „Versicherung, Beteuerung“) ist eine wertende Eigenschaft für prozedurale, kognitive oder logische Entitäten, die mit „Bejahung“, „Zustimmung“, „positiver Wertung“ oder „Zuordnung“ beschrieben werden kann. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet Affirmation, dass eine Aussage, Situation oder Handlung positiv bewertet wird.“_ Mit anderen Worten, eine solche Affirmation dient dazu, dass sich etwas Positives, etwas Bestärkendes bei Dir im Kopf festsetzt. Du kannst Dir diese Affirmation immer wieder laut selbst „vorbeten“ und eben auch mit dem Zettel oder den Zetteln arbeiten. Wichtig ist, dass die Affirmation für dich immer wieder wahrnehmbar und damit emotional erlebbar wird. So heftet sich die Affirmation in Deinem Unterbewusstsein fest und ersetzt als positiver und bestärkender Glaubenssatz den vorher „entsorgten“ negativen, limitierenden Glaubenssatz.

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