Ausgeschwiegen Folge 8: Die Redeangst, ihre Ursachen und Wirkung

Ausgeschwiegen Folge 8: Die Redeangst, ihre Ursachen und Wirkung

Gepostet von am Nov 2, 2018 in Blog

Hier die achte Podcast-Folge

Das Buch zum Podcast

Das Buch heißt „Ausgeschwiegen – Ein Praxishandbuch zur Rhetorik“ und ist seit Mitte September 2018 als Taschenbuch und als eBook im Handel.

Und hier der Text der achten Folge:

Hallo und herzlichen willkommen zur Folge Nummer 8 von „Ausgeschwiegen, dem Podcast für bessere Rhetorik. Schön dass Du da bist. In Folge 6 hatten wir über die Angst im allgemeinen gesprochen und heute wollen wir uns der Redeangst im speziellen widmen.

Bei der Angst möchte ich hier zur Vereinfachung in zwei Arten von Angst unterscheiden. Die eine Art möchte ich hier mal als evolutionär-existenzielle Angst bezeichnen. Das ist eine Angst, die uns vor tatsächlichen Gefahren für unser Leben schützt. Denk einfach an den Säbelzahntiger aus Folge 6. Wenn ein großes Raubtier mit gefletschten Zähnen und fauchend vor Dir steht, weißt Du sofort, dass diese Situation lebensbedrohlich ist. Oder wenn Du ins Wasser fällst und unter gehst, dann musst Du nicht lange überlegen, was hier mögliche Konsequenzen wären und wie Du dich am besten verhalten sollst. Du weißt instinktiv sofort, dass dein Leben in Gefahr ist und Du wirst automatisch ums Überleben kämpfen. Die evolutionär-existenzielle Angst löst quasi automatisch die für die jeweilige Situation beste Reaktion aus, um unbeschadet aus der Sache raus zu kommen.

Die zweite Art der Angst ist die „soziale Angst“ und dazu gehört auch die Redeangst. Wirst Du sterben, wenn Du vor einer Gruppe sprichst? Nein. Könntest Du dich dabei verletzen? Wohl auch nicht. Ok, wenn Du in einer Horde von Fußballfans von Borussia Dortmund stehst und laut ausrufst, dass der FC Schalke 04 der beste Fußballverein der Welt ist, dann könnte das schmerzhafte Konsequenzen haben. Aber normalerweise ist das Halten einer öffentlichen Rede keine Bedrohung für Dein Leben oder Deine körperliche Unversehrtheit. Aber warum hat man dann vor dem Reden angst?

Wußtest Du, dass die Redeangst mit die am weitesten verbreitete Angst ist? Bei den „Top Ten“ der Ängste, so zeigt eine statistische Auswertung gaben mit 41 Prozent die meisten Befragten an, Angst vor dem öffentlichen Reden zu haben. Mit 32 Prozent folgte die Angst vor großer Höhe. Auf Platz drei liegen jeweils mit 22 Prozent die Angst vor Geldmangel, die Angst vor tiefem Wasser und die Angst vor Ungeziefer. Ich packe Dir die vollständige Liste der Ängste in die Shownotes. Hier der Link: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/258499/umfrage/die-haeufigsten-aengste-der-menschen/

Hat ein kleines Kind Angst, vor mehreren oder vielen Menschen zu reden? Schaut man sich Kinder an, wird man feststellen, dass diese fast immer vor Publikum völlig ungehemmt und ungebremst drauflos quasseln können. Während die evolutionär-existenzielle Angst irgendwo quasi genetisch in uns verdrahtet ist, sind es die sozialen Ängste nicht. Die Redeangst wird, wie die anderen sozialen Ängste auch im Laufe der jüngeren Lebensphase erlernt.

Als Schüler musst Du an die Tafel und vor der Klasse beispielsweise Fragen des Lehrers beantworten. Machst Du alles richtig, wirst Du gelobt und fühlst dich gut. Machst Du aber Fehler, wirst Du vielleicht vom Lehrer vor der versammelten Klasse getadelt. Einige andere Schüler lachen und Du fühlst dich nicht gut. Kommt das öfter vor, wirst Du immer weniger vor der Klasse an der Tafel stehen und reden wollen. Wirst Du immer häufiger deswegen ausgelacht und gehänselt – heute sagt man gemobbt – dann wirst Du es nicht nur hassen, vor der Klasse reden zu müssen, Du wirst irgendwann Angst davor haben. Du entwickelst die soziale Angst der Redeangst. Und je mehr negative Erlebnisse ein junger Mensch bei solchen Redeanlässen hat, um so mehr manifestiert sich diese Redeangst.

Auch andere Einflüsse können das bestärken. Eltern, die sagen „halt den Mund“, weil das Kind sie vielleicht nervt und sie mal einen Moment Ruhe haben wollen, vermitteln dem Kind, dass es unerwünscht ist, wenn es redet. Sprüche wie „Red doch nicht so einen Quatsch“, oder „was sollen denn die anderen denken“ gehören ebenso dazu. 

Bei einer sozialen Angst hat der Betroffene Angst davor, die an ihn gestellten Erwartungen nicht zu erfüllen. Er hat Angst davor, nicht mehr gemocht und nicht mehr wertgeschätzt zu werden. Er fürchtet, von seiner sozialen Gruppe ausgeschlossen zu werden und alleine da zu stehen. Einsamkeit und Isolation ist negativ und das hat wieder evolutionäre Gründe, denn ein Urzeitmensch hatte außerhalb seines „Stammes“, also seiner Gruppe, kaum eine Überlebenschance. Der Mensch ist ein „Rudeltier“. Alles, was diese eben beschriebenen Reaktionen und Konsequenzen auslösen könnte, befeuert die soziale Angst. 

Bei der Redeangst hat der Betroffene Angst, im Mittelpunkt und im Rampenlicht zu stehen und sich zu blamieren. Und wenn er sich blamiert und – wie er befürchtet – ausgelacht und verachtet wird, dann hat er Angst, seinen sozialen Status, seinen Rückhalt in einer Gruppe zu verlieren und isoliert zu werden.

Die Konsequenz ist, dass die Situationen, die diese Angst auslösen, vermieden werden. Der Schüler, der sich mehrmals an der Tafel blamiert hat, wird sich immer weniger im Unterricht zu Wort melden, sondern immer passiver werden. Und als Erwachsener wird er ebenfalls Situationen, aber vielleicht auch Aufgaben oder gar einen Beruf meiden, bei dem er vor einem Publikum reden muss.

Ich möchte Dir hier mal ein Beispiel für Redeangst erzählen, dass mir selbst passiert ist. Ich möchte Dir erzählen, wie es war, als ich das erste mal richtig frei und lange vor einem Publikum reden musste! Es war an der Universität in Mainz. Ich studierte im Nebenfach Politikwissenschaften und musste erstmals ein Referat halten. Das Referat behandelte das Buch „Wider den Methodenzwang“ von Paul Feyerabend. Ein fürchterlich zu lesendes, brottrockenes und theoretisches Werk über wissenschaftliche Methodik, durch das ich mich zur Vorbereitung meines Referates quälen musste.

Und dann war es soweit. In der Stunde, in der ich fällig war, musste ich mich vor rund 30 Kommilitonen hinsetzen und sollte denen etwas über ein Buch erzählen, das ich selbst kaum verstanden hatte. Mit 30 Augenpaaren starr auf mich gerichtet, fühlte ich mich schon „an die Tafel genagelt“ noch ehe ich den Mund aufgemacht hatte. Und der Mund war auch knochentrocken, die Zunge schien am Gaumen zu kleben. Die Hände hingegen waren schweißnass. In kürzester Zeit hatte ich das Gefühl, dass mein Gesicht in etwa die Farbe eine reifen Tomate haben müsste. Und dann stammelte und stotterte ich los. Und immer ging mir ein Gedanke durch den Kopf: „Du blamierst dich hier bis auf die Knochen mit deinem Gestammel! Hoffentlich ist es bald vorbei.“  

Nach circa 15 Minuten hatte ich mein Referat gehalten und flüchtete schnellen Schrittes wieder auf meinem Platz. Ich hatte das ganze überlebt und erstaunlicherweise sogar etwas Applaus bekommen. Diese Höflichkeit wurde aber auch jedem anderen zuteil, denn jeder der 30 Seminarteilnehmer musste im Laufe des Semesters referieren.

Und damals kam ich ins Grübeln. Wieso plauderst Du mit den anderen Studenten in der Pause oder in der Mensa beim Essen völlig ungezwungen, frei und vergnügt drauflos und dann, wenn Du plötzlich vor genau den gleichen Leuten sitzt und ein Referat halten sollst, hast du plötzlich die Panik? Siehe da, die Redeangst besteht also nicht grundsätzlich, sondern nur in bestimmten Situationen. Und man kann auch etwas dagegen tun. Gegen Ende meines Studiums waren mir die Referate übrigens sogar deutlich lieber als die Klausuren und oft ärgerte ich mich, wenn ich für ein Referat nur 45 Minuten Zeit hatte.

Wir können die Redeangst aufsteigend nach der „Heftigkeit“ in drei Stufen unterteilen: Lampenfieber, Angst und schließlich die Panik. Schauen wir uns diese drei Stufen einmal genauer an.

1. Stufe – Das Lampenfieber – nennen wir es mal das Kribbeln im Bauch

Als Lampenfieber bezeichnet man die Aufregung kurz vor einem Auftritt. Das Wort hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass ein Schauspieler, der eine Bühne betritt, damit ins Scheinwerferlicht tritt. Aber Lampenfieber gilt für jede Art von Auftritt. Ob Du ein Referat in der Schule oder Uni hälst, oder Dir ein Bewerbungsgespräch bevor steht. Ob Du Präsentation in der Firma oder vor Kunden halten musst oder Du vielleicht von einem Radio- oder Fernsehjournalisten interviewt wirst. 

Natürlich ist das Lampenfieber für uns körperlich und emotional „spürbar“. Wir können es an Hand einer Reihe von Symptomen definieren. Schauen wir uns diese an:

Nervosität – Du bist etwas angespannt, kribbelig, aufgeregt.

Leichtes Unwohlsein – Du hast vielleicht ein flaues Gefühl im Magen, fühlst dich etwas mulmig.

Dein Mund ist trocken, die Hände feucht – das sind spürbare Symptome, die von Dir aber noch nicht unangenehm oder schlimm empfunden werden. Dein Puls ist leicht erhöht, die Atmung kräftig.

Das ganze ist noch beherrschbar – Du hast nicht das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Du bist aufgeregt aber hast dich und die Sache noch im Griff.

Das Lampenfieber ist also eine Anspannung, die noch nicht unbedingt negativ ist. Lampenfieber ist sogar positiv! Doch! Glaub mir, es ist positiv! Wenn Du es nutzt und es sich nicht zur Angst oder Panik hoch steigert, die wir gleich besprechen werden. Warum Lampenfieber positiv ist? Ganz einfach. Denk zurück an die Folge 6 dieses Podcasts, in der ich Dir von der Ausschüttung von Adrenalin und Stresshormonen berichtet habe. Dein Körper mobilisiert also gerade alle seine Kräfte und er schärft Deine Sinne. Das Lampenfieber kann Dir dadurch also helfen, hellwach, hoch konzentriert und aktiviert zu sein.

2. Stufe – Die Angst – Die Kontrolle schwindet

Wenn sich das Lampenfieber, also die Anspannung und Aufregung, jedoch steigert, schlägt das Ganze irgendwann in Angst um. Es ist kein aufregendes Kribbeln mehr in Deinem Bauch, sondern es wird richtig unangenehm. Auch hier können wir bestimmte Symptome identifizieren:

Starke Nervosität – Du bist sehr angespannt und fühlst dich recht unwohl.

Gefühl, angreifbar zu sein – Es stellt sich das Gefühl ein, dass Du angreifbar bist und Schaden nehmen könntest.

Die körperliche Symptome werden stärker – Die Trockenheit in Deinem Mund wird ebenso schlimmer, wie die nassen Hände. Du beginnst zu zittern, fühlst dich etwas wacklig auf den Beinen. Dein Puls ist jetzt deutlich erhöht und Deine Atmung wird heftiger. Dein Gesicht rötet sich leicht.

Du würdest gerne gehen – Erste Fluchtgefühle etablieren sich. Würde jetzt jemand kommen und Dir sagen „Du musst nicht, du kannst dich wieder setzen oder gehen“, dann würdest Du es tun. 

Das ist nur noch mühsam beherrschbar – Es beginnt sich das Gefühl des Kontrollverlustes einzustellen. Du glaubst, nicht mehr komplett Herr der Lage zu sein.

Sobald aus Lampenfieber Angst wird, überwiegen die negativen Gefühle und Wirkungen. Der Adrenalinschub findet zwar genau so statt, aber Dein Kopf und die Fähigkeit, zu denken und die Emotionen zu bewerten, sorgt dafür, dass Du dich uns mehr und mehr auf das Negative konzentrierst. Statt den Energieschub in Leistung und etwas positives zu bündeln, steigerst Du dich selbst in die Angst und Ohnmacht hinein. Du konzentrierst Dich nicht mehr auf die Aufgabe, sondern auf die Angst, zu versagen.

3. Stufe – Panik – nichts geht mehr!

Wenn Du die Angst nicht mehr in den Griff bekommst, dann kann sich dieses emotionale Karussell immer schneller drehen, bis aus der Angst schlussendlich Panik wird. Das ist dann der vollkommene Kontrollverlust. Hier die dazugehörigen Symptome:

Maximale Nervosität – Du bist extrem angespannt, hast das Gefühl zu platzen und fühlst dich sehr schlecht.

Du hast das Gefühl, stark bedroht zu sein – Aus dem Gefühl, angreifbar zu sein, ist ein Gefühl der Bedrohung geworden. Du fühlst dich in deiner Existenz oder zumindest in deiner Unversehrtheit bedroht.

Die körperliche Symptome werden extrem – Dein Mund klebt geradezu zu und Deine Hände triefen sozusagen vor Schweiß. Du zitterst stark, fühlst dich zerbrechlich, schwach und schwindelig. Dein Puls rast, Deine Atmung ist sehr schnell bis hechelnd. Dein Gesicht wird richtig rot! Bei manchen kann es zur Ohnmacht kommen.

Du willst will fliehen – Es stellt sich das intensive Gefühl ein: „Ich muss hier weg, sonst nehme ich Schaden!“ Eventuell tust Du es sogar und haust einfach ab. 

Absoluter Kontrollverlust – Du hast die Kontrolle über die Situation verloren, bist nicht mehr Herr der Lage und fühlst Dich fremdbestimmt. Du hast Dich selbst nicht mehr im Griff.

Das ist der Zustand, in dem nichts mehr funktioniert! Der Zustand, in dem Du mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich versagen wirst. Du kannst das Gefühlschaos nicht mehr ordnen und dich in den Griff bekommen. Die Emotionen fahren mit Dir Schlitten. Wenn jemand eine richtige Panikattacke hat, kann sich das auch zu einen Zusammenbruch steigern. Man kippt sprichwörtlich „aus den Latschen“!

Was löst Lampenfieber, Angst und Panik aus?

Was genau löst denn nun diese Gefühle aus? Was schürt das Lampenfieber, was macht daraus Angst und Panik? Wir haben diese Frage ja anfangs schon besprochen, am Beispiel des Schülers, der an die Tafel muss. Aber ich will das hier noch Mal vertiefen. Wenn man sich vor eine Gruppe stellen und reden oder präsentieren muss, stellt sich ein Gefühl der Isolation und des Zur-Schau-gestellt-werdens ein. Wenn Du als ein Teil einer Gruppe einer von vielen in eben dieser Gruppe bist, dann fühlst Du dich geschützt und geborgen. Bist Du einer von vielen, fällst Du nicht auf und schwimmst als einer von vielen in einem Schwarm Fische mit. 

Doch wenn Du aus diesem Schwarm heraus treten und Dich alleine vor eben diesen Schwarm stellen musst, dann fühlst Du dich wie schon gesagt plötzlich isoliert und bloß gestellt. Bleiben wir bei dem Vergleich mit dem Schwarm Fische. Wir könnten sagen, das die Gefahr, im Schwarm von einem Hai entdeckt und gefressen zu werden, relativ gering ist. Sobald Du jedoch vom Schwarm getrennt wirst und allein schwimmst, bist Du weithin sichtbar und bietest Dich dem Hai quasi als exklusiven Imbiss an. Vom Gefühl her ist es in dem Moment, indem Du allein vor die Gruppe trittst, nicht selten so, dass Du glaubst, Du stündest als kleiner Fisch vor einem ganzen Rudel Haie. Einem Rudel Haie, das nur darauf wartet, zuzubeißen und dich zu verschlingen.

Du hast das Gefühl: Alle schauen mich an. Und das ist ja tatsächlich auch der Fall! Wenn Du vor einem Publikum stehst, um diesem etwas darzubieten, dann schauen Dich wirklich alle an! Diese Situation wird um so schwieriger und unangenehmer, je weniger Du an diese Situation gewöhnt bist. Wer nur selten oder sogar noch nie eine Rede oder einen Vortrag gehalten hat, der empfindet diese Isolation und dieses „an die Wand gestellt sein“ viel schlimmer, als derjenige, der schon Erfahrung mit dem öffentlichen Reden hat. 

Natürlich hast Du den Wunsch, keine Fehler zu machen, Dich nicht zu blamieren, sondern gut auszusehen. Und genau daraus entsteht die nächste Befürchtung. Du befürchtest, etwas falsch zu machen und schlecht auszusehen oder Dich völlig zu blamieren. Nicht nur das, Du hast auch oft das Gefühl, dass das Publikum genau das erwartet! Alle lauern nur darauf, das Du etwas falsch machst und Dich blamierst. Das Rudel Haifische wartet sozusagen nur auf einen Grund, zuzuschlagen und Dich zu verspeisen.

Wenn Du die Rede nicht vor guten Bekannten, Freunden oder Dir wohl gesonnenen Kollegen hälst, sondern vor fremden Menschen, trägt auch das zur Nervosität bei. Du kennst die Leute nicht, weißt nicht wie die drauf sind und wie sie reagieren. Sind mir die Leute wohl gesonnen? Sind Sie freundlich? Oder wollen sie mich leiden sehen, mich demontieren? Manchmal fühlt sich ein anonymes Publikum an, wie ein übermächtiger Feind. Schlimmer wird es dann, wenn man den Leuten auch noch schlechte Nachrichten überbringen und mit ablehnenden Reaktionen rechnen muss.

Die Nervosität wächst weiter, wenn Du nicht fit im Thema bist, das Du präsentieren willst. Oder wenn Du dir das zumindest einredest, nicht fit zu sein. Das ging mir damals bei dem erste Referat an der Uni auch so. Ich hatte das Gefühl, den Text, den ich vorstellen sollte, selbst nicht wirklich verstanden zu haben. Geht diese Angst, das Thema nicht gut genug zu beherrschen, noch mit der Tatsache einher, das Du kein geübter Redner bist und Dir die Routine im Präsentieren fehlt – oder Du das zumindest von Dir denkst – dann dreht sich die Angstspirale wieder ein Stück schneller.

Wenn Du nervös bist und isoliert im Rampenlicht stehst, dann glaubst Du auch sicherlich, dass alle im Publikum ganz genau sehen, wie nervös Du bist! Du hast den Eindruck, die Leute könnten in Dich hineinschauen. Deine Unsicherheit erkennen und Deine Angst förmlich riechen. Und da ist es wieder, das Rudel Haifische, das nur auf einen Anlass lauert, Dich zu zerfetzen! 

Aber auch der Veranstaltungsort kann zur Nervosität beitragen. Wenn Du dich an dem Ort, an dem Du reden sollst, nicht auskennst oder Dich dort besonders unwohl fühlst. Wenn Du vielleicht noch in ein Mikrophon sprechen sollst, das Deine Stimme in einem großen Saal verstärkt und für alle hörbar macht. Und schon hast Du das Gefühl, dass das Mikrophon auch Deine Fehler besonders verstärkt und noch deutlicher zeigt, dass Du nervös bist. Ja und wenn dann vielleicht auch noch Kameras im Spiel sind, die Dich fotografieren oder gar filmen, steigert sich das Lampenfieber unter Umgehung der Angst direkt zur Panik.

Die Angst-Spirale dreht sich

Wenn mehrere oder viele dieser Auslöser zusammen kommen oder Du grundsätzlich dazu neigst, an Dir zu zweifeln, dann kommt ganz schnell eine Angst-Spirale in Gang und die dreht sich immer schneller, je mehr Du dich verrückt machst. Misslingt Dein Auftritt dann tatsächlich und es steht der nächste öffentliche Vortrag an, dann schleppst Du das vorherige negative Erlebnis in gewisser Weise als emotionalen Ballast Huckepack mit zum nächsten Vortrag. Die Folge: Du bist dort dann von Anfang an noch viel ängstlicher. Du denkst: „Beim letzten mal war‘s schon schlecht, es kann nur schlimmer werden!“ Na merkst Du es? Wir sind mitten bei der sich selbst erfüllenden Prophezeiung, bei dem inneren Schweinehund und bei dem Bremsklotz im Kopf, die wir in Folge drei des Podcasts besprochen haben. In der nächsten Folge wollen wir uns deshalb mit dieser Angstspirale beschäftigen und uns vor allem anschauen, wir wir diese durchbrechen können.

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Ausgeschwiegen: Ein Praxishandbuch zur Rhetorik

Das Problem, dass viele mit dem Reden haben, steckt im Kopf. Das beginnt mit der Redeangst, geht über mangelnde Erfahrung und Übung bis hin zum Glauben "Ich lerne das nie!" Doch! Jeder kann es lernen und genau darum kümmert sich dieses Buch. Es ist aus einer Vielzahl von Seminaren zum Thema Rhetorik entstanden und bietet auch viele praktische Übungen an.

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