Ausgeschwiegen Folge 10: So besiegst Du Deine Redeangst

Ausgeschwiegen Folge 10: So besiegst Du Deine Redeangst

Gepostet von am Nov 8, 2018 in Blog

Hier die zehznte Podcast-Folge


Das Buch zum Podcast

Das Buch heißt „Ausgeschwiegen – Ein Praxishandbuch zur Rhetorik“ und ist seit Mitte September 2018 als Taschenbuch und als eBook im Handel.

Und hier der Text der zehnten Folge:

Hallo und herzlich willkommen zur Folge 10 von Ausgeschwiegen, dem Podcast für bessere Rhetorik. Heute wollen wir den Sack in Sachen Redeangst zu machen. In Folge 6 hatten wir über die Angst im Allgemeinen gesprochen und in Folge 8 über die Redeangst im speziellen. Jetzt wollen wir uns anschauen, was man gegen die Redeangst unternehmen kann, um sie zu besiegen.

Am Ende der Folge 8 hatte ich ja von der Redeangstspirale gesprochen, die sich zu drehen beginnt. Schauen wir uns diese Redeangstspirale doch einmal genauer an.

Sie beginnt mit einem limitierenden Glaubenssatz wie „Das Reden werde ich nie lernen. Zum Redner muss man geboren sein.“ Dieser limitierende Glaubenssatz sorgt dafür, dass Du Situationen, in denen Du mal öffentlich etwas sagen oder gar reden musst so gut es geht vermeidest. Das hat zur Folge, dass du das Reden in der Öffentlichkeit auch garnicht richtig ausprobieren, geschweige denn üben kannst. Du sagst Dir ja, dass Du es nicht kannst und auch nicht willst und wirst es daher auch nicht tun. Der innere Schweinehund kommt ins Spiel und flüstert Dir also immer wieder ein: „Lass es bleiben, du kannst es doch sowieso nicht und blamierst dich nur!“ Daraus ergibt sich, das Du keine Übung und Erfahrung als Redner sammeln kannst. Doch irgendwann ist es dann soweit. Dein Chef „verdonnert“ dich dazu, vor der versammelten Belegschaft ein neues Produkt zu präsentieren. Oder von Dir als Vorsitzender eines Vereines wird eine Festrede zum Jubiläum erwartet. Du musst reden, kannst nicht mehr kneifen. Durch Deine negative Grundeinstellung und die fehlende Übung passiert dann auch genau das, was Du befürchtet hast: Es geht schief, Du blamierst dich oder Du glaubst zumindest, dich blamiert zu haben. Leute haben dich gelangweilt angeschaut, vielleicht gegähnt. Vielleicht haben Zuhörer gelacht, dich vielleicht sogar ausgelacht. Auf jeden Fall hast Du deiner erste Rede sehr negativ erlebt.

Prima! Jetzt freut sich der innere Schweinehund und höhnt Dir triumphierend ins Ohr: „Siehst Du ich hab es doch gesagt! Du bringst es nicht, hast es nicht drauf! Hättest es mal lieber gleich gelassen! Aber jetzt hast Du dich eben blamiert!“ Und jetzt beginnt die Angstspirale richtig zu rotieren, denn aus diesem Erlebnis heraus wirst Du dich noch mehr bemühen, nicht mehr öffentlich reden zu müssen. Du redest dir noch viel intensiver ein, dass Du es nicht kannst, nie lernen wirst und ein Versager bist. Kommt wieder die Situation, das Du reden sollst und dich nicht drücken kannst, dann bist Du noch viel ängstlicher, als beim ersten Mal. Du weißt sicher, wie es weiter geht. Es wird mit jeder weiteren Rotation der Angstspirale schlimmer und bald gerätst Du schon in Panik, wenn Du nur daran denkst, öffentlich reden zu müssen!

Aber was kann ich gegen diese Angst-Spirale tun?

Du kannst Dich natürlich von dieser Angst-Spirale in den Wahnsinn treiben lassen. Aber Du würdest dich nicht mit dem Thema Rhetorik beschäftigen und diesen Podcast hören, wenn Du nicht genau das vermeiden willst. Was also kannst Du gegen Angst und Panik tun? Wenn Du jetzt eine Patentmethode oder ein Wundermittel erwarten, mit dem Du die Angst von jetzt auf gleich einfach abschalten kannst, dann muss ich Dich enttäuschen. Es gibt keine Pille, die man einwirft und dann sofort angstfrei ist.

Es gibt aber eine Strategie! Und die beginnt damit, dass Du dir bewusst machst, dass Du nervös bist und vielleicht auch Lampenfieber oder sogar Angst hast. Denn das ist normal! Gestehe Dir also zunächst einmal ein, dass Du Lampenfieber und vielleicht auch Angst hast. Es gilt der altkluge Spruch: „Einsicht ist der erste Weg zu Besserung!“ Wenn Du also akzeptiert hast, dass Lampenfieber dazu gehört, dass es sogar gut und wichtig ist, weil es Dich wie schon in Folge 8 beschrieben mobilisiert und Kraftreserven weckt, dann reicht es jetzt zunächst, dass Du dir dieser von mir beschriebenen Angstspirale bewusst wirst. Denn diese Spirale kannst Du durchbrechen! Du kannst bei dieser Spirale sozusagen den Rückwärtsgang einlegen und eine andere Spirale in Gang setzen. Eine Spirale, die Dir hilft, weiter zu kommen und besser zu werden. 

Diese Spirale setzt wieder an dem Punkt an, an dem Du dir mit dem limitierenden Glaubenssatz  sagst: „Ich kann das nicht.“ In Folge 4 habe ich dir beschrieben, wie Du einen limitierenden Glaubenssatz eliminieren und durch einen positiven, bestärkenden Glaubenssatz ersetzen kannst. Mach das! Nimm Dir jetzt ganz fest vor: „Ich kann noch nicht gut reden, aber ich will es lernen und werde alles dafür tun!“ Die faule Ausrede – der limitierende Glaubenssatz –  „Zum Reden muss man geboren sein“, fliegt endgültig über Bord, denn das ist wie schon beschrieben absoluter Unsinn. Jeder kann es lernen, öffentlich zu reden. Und der erste wichtige Schritt ist, dass Du dir genau das vornimmst! Denke an die Affirmation aus Folge 4 und nutze die Technik, dich ich Dir dort erklärt habe! Nimm es als Herausforderung an! Sagen Dir ganz bewusst „Ich WILL es lernen!“ Immer wieder! Damit konditionierest Du dich positiv und beginnst, dem Thema Reden gegenüber eine positive Grundhaltung zu entwickeln. 

Dort wo Du als Gefangener der Angst-Spirale tunlichst vor jeder Situation, in der Du reden musst, geflüchtet bist, da tust Du jetzt das Gegenteil! Suche bewusst zunächst kleinere Anlässe, um einmal öffentlich etwas zu sagen. Das muss anfangs keine ausführliche Rede sein. Fang klein an. Diskutiere mal mit anderen in einer Gruppe. Denn wer sich meldet und in einer Gruppe seine Meinung kund tut, der redet auch schon öffentlich. Sage bei einer Feierlichkeit ein paar Grussworte. Halte bei Omas 80. Geburtstag im Kreise der Familie eine kleine Ansprache. Man wird dich dafür lieben! 

Wenn Du so immer wieder die Gelegenheit nutzt, das Sprechen vor Menschen zu üben – Anfangs in vertrauter, Dir wohlgesonnener Runde – dann wirst Du durch diese Übung auch besser werden. Und wenn es dann soweit ist, dass Du wirklich einmal eine größere Rede vor einem größeren Publikum halten musst, dann profitierst Du von all deinen vorherigen kleinen Übungen. Du springst nicht mehr ins kalte Wasser. Natürlich wirst Du nervös sein. Aber Du wirst nur noch Lampenfieber haben und dessen belebende Wirkung nutzen können. Das Rudel Haifische ist nicht da, sondern nur ganz normale Menschen, zu denen Du sprichst. Und wenn dieser Auftritt gut klappt und Du dich gut fühlst, dann motiviert Dich das automatisch, weiter zu üben und immer besser zu werden. 

Damit hast Du die Redeangst-Spirale hinter Dir gelassen und stattdessen eine „Rede-Spirale“ angekurbelt, von deren Rotation Du jetzt profitierst und besser werden wirst. Der erste und wichtigste Schritt, mit der Angst umzugehen ist, diese zu erkennen und zu akzeptieren. Nur dann kannst Du dich dieser auch bewusst stellen und die Redeangst-Spirale durchbrechen.

Dazu gehört auch eine weitere Erkenntnis, die auch ich für mich recht früh gewonnen habe: Es kann auch mal ein Vortrag in die Hose gehen! Du kannst dich eventuell tatsächlich auch mal blamieren! Aber davon geht die Welt definitiv nicht unter! Das Publikum wird so etwas selten so schlimm empfinden wie Du selbst. Und Fehler zu machen ist etwas ganz tolles! Denn Du kannst aus Fehlern lernen! Den schlimmsten Fehler, den Du machen kannst, wenn mal etwas nicht gut läuft oder richtig schief geht, ist die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen und zu kapitulieren. Analysiere, was nicht funktioniert hat und was Ursache für den Fehler war und schon weißt Du, woran Du arbeiten musst. Lass mich Dir das Ganze an einem vergleichenden Beispiel, bei dem ich selbst Zeuge war, erklären.

Ich war zur Geburtstagsfete einer Bekannten eingeladen. Es war ein schöner Sommerabend und wir saßen mit den Gästen in der Hofeinfahrt auf Festzeltgarnituren. Es wurde gegrillt. Die Kinder der zahlreichen Gäste fegten draußen auf Fahrrädern, Gokarts und Tretrollern durch die Gegend. Dabei auch Nils, der Sohn der Gastgeberin, der noch keine fünf Jahre alt war. Vor kaum 14 Tagen waren die Stützrädchen von seinem Kinder-Fahrrad abmontiert worden, weil Nils darauf bestanden hatte. Seit dem düste er mit dem Fahrrad umher. Als die wilde Horde mal wieder an der Hofeinfahrt vorbei raste, passierte es. Ein lauter Schlag und der kleine Nils war mit seinem Fahrrad richtig heftig gestürzt und lag halb unter, halb auf seinem Kinderrädchen. Die Gäste blickte entsetzt und manche mit schmerzverzerrtem Gesicht, als wären sie selbst vom Rad gestürzt. Die beiden Omas sprangen schon zum „Not-Tröst-Einsatz“ auf. Die eine zückte die allzeit bereite Tüte Gummibärchen aus der Handtasche, die andere rief nach dem Verbandskasten. 

Doch dann passierte etwas, was die Leute in Staunen versetzte. Der kleine Nils rappelte sich auf, klopfte kurz den gröbsten Dreck von der Hose, die beim Sturz sogar aufgerissen war. Dann hob er sein Fahrrädchen auf, inspizierte es kurz, ob es noch ganz war. Dann brüllte er „Waaaaartet!“, schwang sich in den Sattel und jagte den anderen Kindern hinterher. Wegen einmal hinfallen, rum heulen und nie wieder Fahrrad fahren? Von wegen! Nils ist sicher danach noch einige male hingefallen, aber später als Jugendlicher war er in der Radsport-Abteilung des örtlichen Sportvereins und zählte zu den großen Nachwuchshoffnungen! Ich habe es Dir ja gesagt: Wer sich nicht selbst in den Sattel schwingt und in die Pedale tritt, der wird niemals das Fahrradfahren lernen! Und wer nach dem ersten Sturz aufgibt, auch nicht.

Wenden wir dieses Beispiel auf die Rhetorik an. Du wirst auch mal hinfallen! Auch ich hab schon manchmal bei einem Vortrag nicht den gewünschten Erfolg erzielt oder richtig Schiffbruch erlitten. Aber wegen einem Misserfolg jammern und nie wieder öffentlich reden? Von wegen! Jetzt erst recht! Lass mich das nochmals an einem Beispiel aus meiner Tätigkeit als Seminar-Trainer darlegen. 

Vor einigen Jahren hatte ich mit eBay Deutschland einen neuen Klienten, für den ich in einer Seminar-Serie einen Themenbereich als Trainer übernehmen sollte. Es stand dann das Pilot-Seminar dieser Serie an, die Premiere, die „Uraufführung“. Das Thema in das ich mich gut und ausführlich eingearbeitet hatte, war dennoch neu für mich und so war mein Vortrag nicht schlecht, aber hier und dort noch etwas durchwachsen. An der einen oder anderen Stelle blieb ich hängen und wusste nicht weiter, sodass die zuständige Mitarbeiterin meines neuen Kunden eingreifen und mir aus der Patsche helfen musste. Die Mitarbeiterin und ihre Kolleginnen kannten mich als Trainer noch nicht und ich konnte sehen, dass mein erster Auftritt zu Skepsis mir gegenüber geführt hat. 

Natürlich hätte ich jetzt kapitulieren können. Aber so wie der kleine Nils, nach dem Sturz sofort wieder los geradelt ist, so kam das auch für mich nicht in Frage! Ich wusste genau, wenn ich diesen neuen Kunden von mir überzeugen kann, dann entwickelt sich daraus eine gute und langfristige Geschäftsbeziehung und auch ein guter Umsatz. Also habe ich mich hingesetzt, und ausgewertet, was bei der Premiere schief gegangen ist. Und ich habe meinen Vortrag entsprechend überarbeitet. Und ich habe das Ganze richtig „trainiert“! Nicht nur den Vortrag selbst, sondern auch den Umgang mit der Software und der Webseite, die ich in meinem Vortrag vorstellen und erläutern sollte.

Nach knapp drei Wochen stand der zweite Seminartermin an und ich wusste nicht nur wegen der skeptischen Blicke der besagten Mitarbeiterinnen genau: „Jetzt stehst Du auf dem Prüfstand!“ Was soll ich sagen, aus dieser Sache ist eine über fünf Jahre währende, gute stabile Geschäftsbeziehung geworden und ich habe hunderte Seminare und Vortragsveranstaltungen für diesen Kunden gemacht!

Marcus Porcius Cato war ein römischer Feldherr, Staatsmann und Historiker. Er sagte: „Beherrsche die Sache, die Worte werden dann schon folgen!“ Mit anderen Worten, wenn Du dich auf einen Vortrag, eine Rede oder eine Präsentation vorbereitest, dann ist es wichtig, dass Du dich intensiv und gut in das Thema einarbeitest. Wer in seinem Thema richtig fit ist, der hat den schon beschriebenen Angstauslöser „Ich bin nicht fit im Thema“ eliminiert! Wenn Du also „die Sache“ richtig gut beherrschst, Experte für das Thema bist, über das Du sprichst, dann hast Du nicht nur eine große „Angstbremse“ beseitigt. Du hast auch den Kopf frei, um dich auf das „Wie“ zu konzentrieren. Wenn Du das „Was“ in- und auswendig beherrschst, kannst Du dich der Präsentation widmen. 

Sobald Du die Sache beherrschst, kannst Du den nächsten Schritt gehen und den Vortrag selbst gut vorbereiten. Denn wenn Du nicht nur den Inhalt beherrschst, sondern auch dessen Präsentation vorab vorbereitet, strukturiert und idealer Weise auch geübt hast, dann kann nichts mehr schief gehen! Ein guter Vortrag lebt von einer guten Vorbereitung! Wenn man von spontanen Reden, sogenannten „Stegreifreden“ absieht, hast Du fast immer eine Vorlaufzeit, um dich auf eine Präsentation vorzubereiten. Ob es das Referat an der Uni ist, der Kassenbericht auf der Jahreshauptversammlung im Verein oder die Präsentation bei einem Kunden, selten musst Du völlig unvorbereitet und „aus der Lameng“ drauflos reden. Und selbst für solche Stegreifreden gibt es Strategien. 

Im antiken Delphi war am Tempel des Apollo eine Weisheit eingraviert: „Gnothi Seautón“! Auf Deutsch heisst das: „Erkenne dich selbst“. Hier in unserem konkreten Fall will ich Dir damit sagen, dass Du ganz konkret darüber nachdenkst, was Dir Angst macht. Sobald Du diese Angstmacher erkannt hast, kannst Du diese zu 99 Prozent beeinflussen und im Normalfall abstellen. Lass mich das wieder anhand meiner eigenen Erfahrungen kurz erläutern.

Wenn ich bei den oben erwähnten Seminaren wusste, dass ich vor einem großen und neuen Publikum reden muss, dann machte mir das zwar keine Angst mehr, aber dennoch wollte ich wissen, wie das Publikum „drauf“ ist. Wenn ich also an dem Tag nicht direkt als erster reden musste, sondern andere Trainer vor mir präsentierten, dann setzte ich mich unauffällig ganz hinten in den Saal und beobachtete das Publikum. So konnte ich einschätzen, wie es reagiert und bei dem Vortrag mitmacht. Ich hatte so die Möglichkeit, mich entsprechend auf das Publikum vorzubereiten. 

Ähnlich kannst Du verfahren, wenn Du zu bestimmten Themen immer wieder sprichst. Da kannst Du während der ersten Vorträge abschätzen, wie Menschen auf dein Thema reagieren und dann den Vortrag entsprechend anpassen. Dazu einmal ein konkretes Beispiel. 

Als eBay den Online-Bezahldienst PayPal übernahm und auch in Deutschland einführte, sollte ich neben meinen üblichen Vorträgen auf den sogenannten eBay-Universitys auch eine Stunde lang dieses neue Bezahlsystem präsentieren. Also habe ich diesen neuen Dienst genau durchgearbeitet und eine Präsentation dazu gemeinsam mit den zuständigen Vertretern von PayPal erarbeitet. Dann fand der erste Vortrag statt und zwar auf der eBay-University in Hannover. Veranstaltungsort war ein Gebäude auf dem Messegelände. Der Vortrag war wirklich derbe und anstrengend. Inhaltlich gab es eigentlich nichts zu meckern. Trotzdem hat mir das Publikum das Leben unglaublich schwer gemacht. Warum? 

Ganz einfach. Bei dem Zahlungssystem PayPal, das damals kaum ein halbes Jahr in Deutschland am Start war, geht es um Geld. Und es ging damals um eine völlig neue und für das deutsche Publikum bisher unbekannte Methode, Geld zu zahlen und Geld einzunehmen. Und wenn es um die eigene „Kohle“ geht, dann ist der Deutsche in der Regel erst mal skeptisch. Sehr skeptisch! Ich konnte nicht eine Folie der Präsentation vorstellen, ohne das nicht irgendjemand nach dem Pferdefuss dieser oder jener Funktion fragte. Natürlich kannte jeder, der sich im Publikum zu Wort meldete, irgend jemanden, der mit PayPal schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Das Publikum zog, egal was ich erklärte, immer wieder das Fazit: PayPal ist unsicher. PayPal ist gefährlich und man kann sein Geld verlieren. Und in diesem ersten Vortrag musste ich dann den Prügelknaben abgeben, der die Kritik um die Ohren gehauen bekam, die das Publikum immer schon mal gerne an PayPal richten wollte.

Wir haben diese erste Erfahrung gemeinsam analysiert und den Vortrag entsprechend umgestellt. Wir haben die sicherheitsrelevanten Aspekte viel stärker betont und vor allem viel früher im Vortrag eingebaut, damit wir die Bedenken des Publikums viel früher abfangen und die Fragen des Publikums damit in geordnete Bahnen lenken können. Ich habe den Vortrag dann bestimmt noch zweidutzend mal gehalten und die Sache lief nie wieder so aus dem Ruder wie beim ersten Vortrag. 

Wir haben in Folge 8 auch einen unbekannten Ort, an dem man sprechen soll, als möglichen Angstfaktor identifiziert. Dazu gibt es einen sehr einfachen Trick. Schau Dir diesen Veranstaltungsort einfach vorher an, wenn das machbar ist! Wenn Du dich nicht am Tag der Veranstaltung vorher mal umsehen kannst, dann tu das eben kurz vor Deinem Vortrag. Und wenn der Ort weiter weg ist und Du erst am Tag deines Vortrages anreist, dann ziehe Erkundigungen ein. Ruf im Hotel oder dem Tagungsort an und erkundige dich nach den Räumlichkeiten und Details wie beispielsweise der vorhandenen Tagungstechnik.

Wir hatten ja auch Mikrophon und Technik als potentielle Angstfaktoren erkannt. Nicht nur das ein Mikrophon die Stimme verstärkt, auch Präsentationstechnik wie PowerPoint, Notebook und  Beamer können hier eine Rolle spielen, wenn Du damit bisher kaum gearbeitet hast. Auch hier möchte ich Dir wieder kurz erläutern, wie ich das handhabe. Normalerweise mache ich meine Präsentationen mit dem eigenen Notebook beziehungsweise meinem iPad, das ich natürlich beherrsche. Muss ich aber fremde Technik benutzen, dann sorge ich dafür, dass ich vor der Veranstaltung kurz damit proben kann. Sprich: Ich sehe mir das Notebook an, teste die Fernbedienung, mit der man die PowerPoint-Folien vor- und zurück schaltet. Auf den zahlreichen eBay-Universitys, auf denen ich als Referent tätig war, wurde immer mit Mikrophonen gearbeitet. Anfangs kamen so genannte Lavalier-Mikrophone zum Einsatz. Das sind die Mikrophone, die man an den Kragen des Jacketts oder auch an den Schlips ansteckt. Eines Tages brachte der Tontechniker dann aber „Headsets“ mit. Das sind Kopfbügelmikrophone, die mit einem dünnen Drahtbügel im Nacken und über die Ohren am Kopf fixiert werden, so dass die Mikrophonkapsel neben dem Mund „schwebt“. 

Zum Glück habe ich darauf bestanden, dass ich das vorher ausprobieren möchte! Das Headset, das in meinem Schulungsraum bereit lag, war viel zu klein und zu eng und das Tragen schmerzte nach wenigen Minuten. Durch diesen Probelauf konnten wir das rechtzeitig austauschen, denn eine Stunde hätte ich das ursprüngliche Headset nicht ertragen können.

Mit anderen Worten! Viele der äußeren Faktoren, die zur Nervosität und Angst beitragen würden, kannst Du erkennen und beeinflussen. Das gleiche gilt aber auch für die Faktoren, die in uns selbst schlummern! Ich hatte Dir ja schon erklärt, wie Du die Redeangst-Spirale durchbrechen und statt dessen eine positive „Rede-Spirale“ in Gang setzen kannst. Wenn Du dich also jetzt bei der „inneren Inventur“ dabei ertappst, dass Du dir wieder einredest, dass Du als Redner nichts taugst, dann weißt Du jetzt was zu tun ist. Und denke daran: „Übung macht den Meister.“

Es gibt auch noch andere Banalitäten, die uns helfen, das wir weniger nervös sind. Ganz wichtig ist bequeme Kleidung. Kleidung in der wir uns wohl fühlen. Wenn Du beispielsweise einen Anzug hast, der nicht sitzt, sondern zwickt und unbequem ist. Wenn die edlen Lackschuhe zu eng oder die Stöckelschuhe zu hoch sind, um bequem längere Zeit ohne schmerzende Füße stehen zu können. Wenn der Hemdkragen und die Krawatte zu eng sind und Dir die Luft scheinbar abschnüren, dann sind das Störfaktoren, die über das so erzeugte Unwohlsein die Nervosität und Angst steigern. Oder wenn Du unausgeschlafen und deshalb übermüdet bist oder nichts gegessen hast und Dir der Magen knurrt, dann sind auch das Banalitäten, die Dich daran hindern, ruhiger und gelassener zu werden. Banalitäten gegen die Du sehr leicht etwas tun kannst, indem Du ausreichend schläfst und vor deinem Vortrag eine Kleinigkeit isst.

Wenn Du das Reden lernen und üben willst, dann tue das doch auch! Hast Du bisher noch nie oder sehr selten frei reden und präsentieren müssen, dann besuche ein Rhetorik-Seminar und lerne es! Du weißt schon: Wer Fahrrad fahren will, der muss sich in den Sattel schwingen und es lernen! Und wer besser Radfahren will, der muss sich in den Sattel schwingen und viele Kilometer abspulen und trainieren! Besuche also beispielsweise einen Rhetorik-Grundkurs. Hast Du erste Erfahrung, mach einen Aufbaukurs oder trainiere in einem individuellen Coaching! In solchen Schulungen kannst Du rhetorische Fähigkeiten erwerben und ausbauen. Ich bietet entsprechende Seminare und Schulungen an!

Üben! Üben! Üben! Dies ist in Sachen Angstbewältigung sicherlich der wichtigste Tipp! Du musst üben! Der Volksmund sagt „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ und ebenso „Übung macht den Meister!“ Nimm Dir das zu Herzen. Die Jungs in der Fussball-Nationalmannschaft sind nur deshalb in diesem Team, weil sie ständig trainieren, sich verbessern und weiter entwickeln! Deshalb mein dringender Rat, nutze jede Gelegenheit, um Deine Rhetorik zu üben und zu trainieren. Ob es die kleine Festansprache bei Omas 80. Geburtstag ist, oder eine Rede vor einem größeren Publikum. Gelegenheiten, das freie Reden zu trainieren, gibt es viele! 

Und denke an den kleinen Radfahrer Nils. Wenn Du mal hinfällst, dann stehe auf, klopf Dir den Dreck aus der Hose, schwing Dich aufs Rad und radel sofort weiter! Aus Fehlern lernst Du und zu jedem Spiel gehört, das man auch mal verliert.

Tipp zwischendurch: Ruhig Atmen!

Ein weiterer Tipp, der bei jeder Art von Angst sehr gut hilft, ist ruhiges und gleichmäßiges Atmen. Wer Angst hat atmet schnell und gehetzt, hechelt, schnappt vielleicht irgendwann nach Luft. Je aufgeregter Du bist, um so höher ist deine Atemfrequenz. Damit steigt auch dein Herzschlag und dein Blutdruck. Das Herz pocht immer heftiger, bis Du das Gefühl hast, dass der Puls am Hals schon fast sichtbar sein muss. Wenn Du dich jetzt einfach darauf konzentrierst ruhig, gleichmäßig, tief und langsam zu atmen und das eine Weile tust, dann sinkt der Puls zwangsläufig und Du wirst automatisch ruhiger. Das ist eine einfache Form der Meditation. Du konzentrierst dich auf deinen Atem. Schweifen die Gedanken wieder ab zum bevorstehenden „Auftritt“ oder etwas anderem, kehrst Du mit deiner Konzentration wieder ganz bewußt zu Deiner Atmung zurück. Spüre in dich hinein, wie die Luft einströmt und wieder ausströmt. Spüre, wie die Luft durch deine Nasenflügen strömt, wie sich dein Brustkorb beim Atmen leicht hebt und senkt. 

Scroll Up

Ausgeschwiegen: Ein Praxishandbuch zur Rhetorik

Das Problem, dass viele mit dem Reden haben, steckt im Kopf. Das beginnt mit der Redeangst, geht über mangelnde Erfahrung und Übung bis hin zum Glauben "Ich lerne das nie!" Doch! Jeder kann es lernen und genau darum kümmert sich dieses Buch. Es ist aus einer Vielzahl von Seminaren zum Thema Rhetorik entstanden und bietet auch viele praktische Übungen an.

You have Successfully Subscribed!