Ausgeschwiegen Folge 11: Reden ist wie Fahrradfahren

Gepostet von am Nov 12, 2018 in Blog

Hier die elfte Podcast-Folge

Das Buch zum Podcast

Das Buch heißt „Ausgeschwiegen – Ein Praxishandbuch zur Rhetorik“ und ist seit Mitte September 2018 als Taschenbuch und als eBook im Handel.

Und hier der Text der elften Folge:

Hallo und herzliche willkommen zu Ausgeschwiegen, dem Podcats für bessere Rhetorik. Heute wieder mit einem Tipp zwischendurch. Obwohl eigentlich ist das heute ken Tipp, sondern ich möchte Euch eine Parabel erzählen. Damit ist jetzt nicht die mathematische Funktion gemeint. Im Zweifelsfalle einfach googeln.

Mit dieser Parabel möchte ich eine Art zusammenfassenden Schlussstrich unter die Themen „Bremsklotz im Kopf“ und „Redeangst besiegen“ ziehen. Ich möchte die limitierende Glaubenssätze, die selbsterfüllenden Prophezeiungen, den inneren Schweinehund und die Redeangst mit dieser Parabel zusammenfassen und abschließen. Denk an mein Beispiel mit Nils, dem kleinen Fahrradfahrer. Ok es geht los.

Reden ist wie Fahrradfahren! 

Am Anfang ist das für dich als kleines Kind etwas faszinierendes, unfassbares und unerreichbares, wenn Du jemandem auf dem Fahrrad an Eurem Häuschen vorbei zischen siehst. Du denkst Dir nur: „Das werde ich niemals können!“ Da ist er, der limitierenden Glaubenssatz. Irgendwann schnappt Dein Papa dich und setzt dich in der leeren Garage auf ein brandneues, kleines Kinderrädchen mit Stützrädern dran. Er erklärt Dir, wie das Fahrrad funktioniert, wie du in die Pedale treten, lenken und bremsen sollst. Du probierst es, aber irgendwie funktioniert es nicht und du kullerst mit dem Rädchen in der Garage an die Wand und kippst um. Du weinst mehr aus Frust als aus Schmerz und denkst Dir „Ich hab doch gewusst, dass ich das niemals können werde.“ Die selbsterfüllende Prophezeiung lässt herzlich grüßen. Papa fordert dich auf, es noch einmal zu probieren und Du sagst: „Och ich möchte garnicht Fahrrad fahren lernen.“ Dein innerer Schweinehund versucht gerade, sein Unwesen zu treiben. Außerdem hast Du dir beim der Kollision mit der Wand in der Garage auch weh getan. Deshalb hast Du Angst, dass Du dir wieder weh tust und möchtest es deshalb auch garnicht nochmal probieren. Wenn Dein Papa jetzt aufgeben und es ein für alle Mal bleiben lassen würde, Dir das Fahrradfahren beizubringen, ja dann wäre das Fahrradfahren vielleicht wirklich für sehr lange Zeit für dich ein unerreichbarer Traum. Dem Viererbündnis aus limitierendem Glaubenssatz, selbsterfüllender Prophezeiung, innerem Schweinehund und Angst sei Dank.

Aber Dein Papa lässt natürlich absolut nicht locker. Er packt dich auf dem kleinen Rädchen in die Einfahrt der Garage und sagt: „Los probier es nochmal. Nur ein paar Meter. Du schaffst das!“ Also trittst Du schüchtern und vorsichtig in die Pedale … uns siehe da, das Rädchen rollt vorwärts. Du eierst zwar etwas schief und schräg durch die Einfahrt, aber als an deren Ende dein Papa ruft „und jetzt bremsen, wie ich es Dir gezeigt habe“, da schaffst Du es tatsächlich, ohne irgendwo dagegen zu fahren oder umzukippen stehen zu bleiben. Dein Gesicht strahlt vor Freude und Glück. Und am selben Tag fährst Du noch ein Dutzend Mal die paar Meter in der Einfahrt hin und her. Am Anfang muss Dein Papa dich noch mitsamt dem Rädchen anheben und umdrehen, aber irgendwann klappt auch das mit dem Lenken. Und ohne das Du es überhaupt merkst, hat sich die selbsterfüllender Prophezeiung aus dem Staub gemacht. Und nicht nur das, sie hat auch gleich den limitierenden Glaubenssatz mitgenommen. Der innere Schweinehund meldet sich vielleicht noch mal leise zu Wort, sitzt aber bald nur noch schmollend und still in der Ecke und schaut heimlich fasziniert zu, wie Du deine Runden drehst. Er wird nicht mehr gebraucht. Bald kannst Du schon mit deinem Rädchen mit den Stützrädern dran die ganze Straße auf und ab fahren und das auch immer schneller und sicherer. Ab und zu bist Du zwar mal hingefallen oder derbe gestürzt, sodass ein kleines bisschen Angst immer noch auf dem Gepäckträger sitzt und mitfährt. Aber die behindert dich nicht mehr. Sie sorgt viel mehr dafür, dass Du nicht zu waghalsig bist, wenn Du neues ausprobierst und das Du dich beim Fahrradfahren konzentrierst. Die Angst wandelt sich in eine angenehme Aufregung um, die das Fahrradfahren für dich sogar spannend und herausfordernd macht. 

Es ist soweit! Die Stützräder kommen ab, weil die sowieso kaum noch den Boden berühren, wenn Du durch die Nachbarschaft zischst. Natürlich fährt es sich anfangs ohne die Stützräder erst mal noch etwas wackeliger. Und es haut dich auch noch das eine oder andere mal ordentlich hin. Aber nach so einem Sturz willst Du nicht mehr aufgeben und nie mehr Fahrradfahren. Du merkst stattdessen, warum Du gestürzt bist und weißt deshalb, was Du beim nächsten mal besser machen kannst. Du fährst immer häufiger und schließlich regelmäßig Fahrrad. Und mit den hunderten Kilometern wird das Fahrradfahren für dich zur alltäglichen Routine. Du lernst kleine Tricks und Kunststückchen und kannst irgendwann sogar viele Meter weit freihändig radeln. Bald fährst Du mit dem Fahrrad in die Schule, später vielleicht zur Uni oder auf die Arbeit. Oder Du betreibst in Deiner Freizeit Radsport. Der kleine Mensch, der sich einst dachte „das werde ich niemals können“ ist ein routinierter und begeisterter Fahrradfahrer geworden.

Muss ich Dir jetzt wirklich noch erklären, warum Reden im Prinzip ganz genau so wie Fahrradfahren ist? Ich glaube nicht!

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Ausgeschwiegen: Ein Praxishandbuch zur Rhetorik

Das Problem, dass viele mit dem Reden haben, steckt im Kopf. Das beginnt mit der Redeangst, geht über mangelnde Erfahrung und Übung bis hin zum Glauben "Ich lerne das nie!" Doch! Jeder kann es lernen und genau darum kümmert sich dieses Buch. Es ist aus einer Vielzahl von Seminaren zum Thema Rhetorik entstanden und bietet auch viele praktische Übungen an.

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